Ernährungstipp einer Osteopathin

Nahrungsmittel convenience food

Tiefkühlpizza, ungeschält auf Herd.

Vor dem Aufbacken einer Tiefkühlpizza die Folie entfernen. Sie enthält gesundheitsschädliche Weichmacher.

Lebensmittel sind Medizin — Theorie und Praxis

Fünf Jahre nachdem ich bei meinen Eltern ausgezogen war, ging ich das erste Mal zu einem Heilpraktiker. Weil ich mich schlapp und nicht besonders gesund fühlte. Er fragte mich, wie ich mich ernähre. Ich antwortete wahrheitsgemäß. Er nahm die Information gelassen, wies mich aber darauf hin, dass ich wohl meine Speicher aus der Zeit guter abwechslungs- und vitaminreicher Ernährung inzwischen aufgebraucht hätte. Es hieße, sie erneut zu füllen.

Zum Frühstück sollte ich Linsen mit Rührei, Rosmarin, Meersalz und Rote Beete essen. Sehr lecker. Ansonsten möglichst Fisch, weißes und manchmal rotes Fleisch und Salat und Gemüse. Hätte ich mir auch denken können.

Hielt ich mich dran? Wie denn auch, ich war doch weitgehend Vegetarierin. Außerdem gab es für mich kaum kulinarischeres als Team-Pizza während eines Nachtdrehs.

Gluten, Laktose, etepetete?

Über ein Jahrzehnt später dann die nächste Ernährungs-Quittung. Ausschlag im Gesicht, sobald es kälter als 10 Grad draußen war. Auf der Suche nach einer Diagnose, landete ich nach Monaten in der Charité: Kälte-Urtikaria. Die vorgeschlagene Therapie, Antibiotika-Creme und Antihistamin-Tabletten, erschien mir nicht zielführend. Erst als ich eine Ärztin fand, die einen weiten Horizont hatte und mich auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten testete, kam die Lösung näher. Ich vertrug unter anderem Gluten nicht gut. Über ein Jahr hielt ich mich an eine strenge gluten- und laktosefreie Diät. Wissen Sie, wie schwierig es ist, glutenfreies Bier zu finden?

Essen für die Wissenschaft

Als mein Teint dann auch im Winter wieder ansehlich war, schlichen sich bald wieder alte Gewohnheiten ein. Nicht inhaltlich, vor allem strukturell. Ich nahm mir kaum Zeit zum Essen, geschweige denn für die Vorbereitung. In meiner Osteopathie-Praxis war ich froh, wenn ich im Laufe des Arbeitstages überhaupt etwas aß. Eiweißriegel, Nüsse oder Bananen. Nicht besonders ganzheitlich vorbildlich, bemerkte ich selber.

Gerade dabei, mal wieder die Reißleine zu ziehen, mir und anderen herrliche Biohühnersuppen zu kochen, flatterte mir eine Einladung ins Haus. Ob ich an einer Gesundheitsstudie bezüglich Ernährung teilnehmen wolle. Unbezahlt, versteht sich. Absender: Die NAKO Gesundheitsstudie, offenbar die größte aller Zeiten in Deutschland, finanziert durch Bund, Länder und die Helmholtz-Stiftung. Nichts exklusives, eine Kohortenstudie.

Die erste persönliche und dreistündige Untersuchung mit Messungen und verschiedensten Tests fand letzten Montag im Benjamin-Franklin-Krankenhaus statt. Innerhalb dieser Woche werde ich online einen Fragebogen zu meiner Ernährung im letzten Jahr ausfüllen. Und ich trage für eine Woche (durchgehend) einen Bewegungsmesser rechts an der Hüfte. Schließlich handelt es sich bei der NAKO Gesundheitsstudie um eine Datenanalyse. Peter Drucker hat vermutlich recht: „Was Du nicht messen kannst, kannst Du nicht lenken.“ So unterstütze ich als Osteopathin, auch wenn ich keine ausgebildete Ökotrophin oder Ernährungswissenschaftlerin bin, die Wissenschaft. Und sie hilft mir, mich daran zu erinnern, mich und andere gut zu nähren.

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