Gefühle – wie entstehen sie wirklich?

Gefühle - dargestellt durch einen nachdenklichen Gorilla und eine fröhliche Frau

Woher kommen Gefühle? Darauf gibt es nahezu so viele Antworten wie Weltanschauungen. Aus der Kindheit, analysieren die einen. Von den Genen, meinen die anderen. Das System ist schuld, konstatieren wiederum andere. Oder kommen sie vielleicht doch aus der Seele? Und gleich, wie du dir diese Frage beantwortest: Auch wenn wir wissen, woher, dann fragt sich ja immer noch: Was soll das? Und: Wohin damit?

Denn tatsächlich ist die ganze Angelegenheit mit den verschiedenen emotionalen Zuständen zwiespältig: Die einen unterdrücken ihre Gefühle so gut es eben geht, bis hin zu psychosomatischen Konsequenzen. Die anderen leben jede kleinste Befindlichkeit aus, weil es so (zumindest für sie) gesünder sein soll. Bar jeder Logik.

Sind Gefühle noch zeitgemäß?

Tatsächlich war, als ich dort studierte, auf dem Abbot Kinney Boulevard in Venice Beach nicht nur Jack Lee Rosenberg’s IBP Institute verortet. Sondern auch Arthur Janov’s Praxis für Urschrei-Therapie: Primal Scream. Raus damit. Während IBP – Integrative Body Psychotherapy – eher nach dem Container-Prinzip funktioniert. Gefühle erkennen, fühlen, jedoch nicht in jedem Fall als Goldstandard für die Handlung sehen. Eben nicht umgehend darauf zu reagieren.

Denn auch Gefühle haben ein Verfallsdatum. Und zwar, wie die Psychologin Joan Rosenberg erforschte: 90 Sekunden. Dann ist ein Gefühl, ob ein erwünschtes oder auch unerwünschtes, durch. Sich darin zu verlieren, wie es ja viele – vor allem bei den als negativ bewerteten – befürchten, ist also kaum möglich. Ein „gutes Gefühl“ aufrecht zu erhalten? Funktioniert ebenfalls nicht passiv. Jedenfalls nicht länger als 90 Sekunden. Danach ist Achtsamkeit gefragt.

Was also zu Beginn der Menschheit noch einen Sinn machte: Automatische Gefühle aus dem vegetativen Nervensystem, die uns vor unmittelbaren Gefahren warnen – macht jetzt keinen mehr. Die Gefahren heute sind abstrakter.  Wir machen uns durch diese Emotionen dann nur zusätzlichen negativen Stress. Sie stellen einen Missbrauch unseres archaischen, jedoch wohlmeinenden, autonomen Nervensystems dar.

Gefuehle kommen von den Gedanken im Moment

Der konstruktivere Zugang

Wenn jeder Mensch sich in jedem Moment in einer von ihm selbst konstruierten Welt bewegt: Dann erschaffen wir uns auch unsere Gefühle selber. Wie? Durch das mit dem wir uns ja vorab schon die eigene Welt geschaffen haben: Durch unsere Gedanken in dem Moment.

Wenn uns also auffällt, dass wir Unangenehmes fühlen: Gut zu wissen, dass diese Gefühle nichts, oder so gut wie nichts, mit der Realität zu tun haben. Jedoch alles mit unserem Gedankenmodell, dass sie hervorbrachte. Alleine das zu wissen, hilft dann, sich keine Sekunde länger mit einem ungenießbaren Zustand zu identifizieren. Und einen positiven? Vielleicht sogar anzunehmen und auszukosten.

Andere Modelle der Gefühlswelt

Natürlich gibt es auch andere Modelle. Zum Beispiel das von rechter und linker Gehirnhälfte. Bei dem die rechte den Emotionen zugeordnet ist und die linke der Logik.

Oder das vom Eisberg. Mit dem das Bewusste, eher dem Verstand zugeordnet, den kleinen sichtbaren Teil des Eisbergs ausmacht. Und das Unbewusste, den Emotionen zugeordnet, den wesentlich größeren, unsichtbaren Teil des Eisbergs ausmacht.

Doch mir gefällt das Modell, dass Gefühle von den Denkprozessen verursacht werden, am besten. In diesem Augenblick zumindest. Warum? Weil es ganzheitlich ist. Und weil ich die aktuellste Neurowissenschaft auf meiner Seite habe:

Schmerz ist ein Konstrukt

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