Meditieren lernen — Wie geht das? Und wie geht das heute leichter?

meditieren lernen

Meditieren lernen ohne Guru.

Die Vorteile des Meditierens für geistige, seelische und körperliche Gesundheit sind durch Studien belegt. Meditation wird inzwischen von Massenmedien und Wirtschaftsmagazinen gepriesen. Meditieren scheint gut in den Selbstoptimierungs-Trend zu passen. Und Sie müssen sich auch nicht länger in die Hände eines Gurus begeben, um damit anzufangen. Wenn Sie der englischen Sprache mächtig sind, gibt es sogar empfehlenswerte Apps dafür! Und einen erfolgreichen Coach, der bereit ist, umsonst ein nicht-religiöses, unesoterisches Mantra auf einem YouTube-Video mit Ihnen zu teilen. Und eine kognitive Psychologin, die Sie per Audio sensibel durch Achtsamkeitsmeditationen führt. (Andere Apps-Vorschläge, darunter auch auf Deutsch hier)

Derartige Tools gab es, als ich vor vielen Jahren mit dem Meditieren anfing, noch nicht. Ich hatte das Haus zu verlassen und in eine Meditationsgruppe zu gehen. Das steht Ihnen natürlich heute auch jederzeit auch frei, wenn Sie das wollen. Hier ein Auszug aus meinen Erinnerungen:

Meditation — Mein erster Versuch

„In dem Münchner Hinterhof blühte ein Kirschbaum. Links davon führten Stufen in den Keller. Ich stieg hinunter. Mich lächelte ein Japaner an. Herr K. war um die 40, trug einen schwarzen Umhang und verbeugte sich sogar vor mir. Er sprach, obwohl erst seit ein paar Jahren in München, gut Deutsch: „Nehmen sie bitte Safu.“ Ich griff nach einem der runden schwarzen Kissen und folgte ihm in den Dojo.

Der kleine Kellerraum war mit Bambusmatten ausgelegt, an beide Seiten Podeste gezimmert, auf denen schwarze Matten lagen. Herr K. zeigte mir, wie man das Kissen in Form bringt, auf die Seite drehend von allen Richtungen knetend. Dann erst setze man sich drauf. Und zwar auf nicht mehr als die vordere Hälfte. Das unterstütze die aufrechte Haltung. Die Vorstellung: Der untere Teil der Wirbelsäule ist in einer geraden Linie mit dem Mittelpunkt der Erde verbunden, der Scheitelpunkt oben mit dem höchsten Punkt des Himmels. Das Kinn wird etwas nach unten gezogen, so dass ein Doppelkinn nicht auszuschließen ist. Der Blick fällt auf eine Stelle etwa 1 Meter vor einem auf den Boden. So – und gleichzeitig entspannt – wird die Atmung wahrgenommen. Die Ausatemzüge werden innerlich gezählt. Nach 10 langen Atemzügen fängt man wieder von vorne an. Eins…………….Zwei.

Meditieren für Anfänger: Atmen, zählen und nicht grübeln

Meine Konzentration auf das Atmen wurde von Gedanken unterbrochen. Heftige laute Gedanken, in die ich mich sofort verliere oder leise Gedanken, denen ich noch gar nicht anmerke, dass sie welche sind. In jedem Fall, so Herr K., soll ich sie lediglich als solche wahrnehmen, vorbeiziehen lassen wie Wolken und die Atemzüge wieder von vorne zählen.

Ich war noch kein einziges Mal bei 10 angekommen, als ein langhaariger Mann eintrat. Ich sah aus dem Augenwinkel, dass er stark tätowiert war, und versuchte diese Wahrnehmung loszulassen, als eine rothaarige Frau sich auf ihr Safu setzte. Es folgte ein Mann, mit blondem Bart, der wirkte wie eines der KBW-Mitglieder, das ich in der Oberstufe für den Gemeinschaftskunde-Leistungskurs interviewte. Aber ich war ja nicht hier, um Urteile zu fällen. Herr K. fragte mich, ob ich mir zutraue, die erste der beiden halbstündigen Sitzungen durchzuhalten. Ja. Doch schon nach ein paar Minuten musste ich meinen vollen Lotussitz, den ich stolz eingenommen hatte, lockern.

Mein Rücken, mit dem ich sonst keine Beschwerden hatte, tat mir so weh, dass ich das Zählen vergaß. Und als ich dann doch wieder bei drei war, schoss mir ein panischer Gedanke ein:

Grundsätzlich war ein leerer Geist, in dem die Erleuchtung dann vollen Raum hat, dem Geschwätz des eigenen Egos ja vorzuziehen. Das traf bei Milliarden Menschen zu. Doch durch meine Gedanken zogen ja auch Ideen, kreative, für die ich bezahlt wurde. Für nichts als dafür. Ich konnte doch nichts anderes. Meine Gedanken waren mein Arsch!

War Meditieren also nicht eher etwas für Hausfrauen und Beamte?

Ich bekam auch hier keine Ausnahmegenehmigung. In meinem Kopf hatten für die Dauer des Sitzens nur die Zahlen 1 bis 10 Platz. Alle anderen Worte, Bilder und Eindrücke waren sanft loszulassen. Ich ließ mich darauf ein, hoffend, dass eine wirklich gute Idee auch ein zweites Mal kommen würde. Beziehungsweise, dass sie mich nicht loslassen würde.

Ein großer Geist, den ich erst Jahre später kennenlernen sollte, Jack Lee Rosenberg, empfahl beim Meditieren einen Notizblock neben sich zu haben. Gedanken, die einem wichtig erscheinen, aufzuschreiben und dann zurück in die Meditation zu gehen.

Ehrlich gesagt: Ich selber hatte nie so große Ideen oder Einfälle während des Meditierens, dass ich bereute, sie verpasst zu haben. Wenn ich überhaupt welche hatte, kamen sie beim Sport, Spazieren gehen, im Gespräch, beim Tagträumen oder gelegentlich am Schreibtisch. Buddha wollte mir mit meinem Widerstand wohl zeigen, wie identifiziert ich mit meinem Kopf bin. Ich war immer hier hin geflüchtet. Vielleicht ist das der Sinn des Sitzens: Sanft wieder heraus zu finden und zu erleben, dass die Welt ein freundlicher Ort sein kann, von dem ich sogar ein willkommener Teil bin.

Fangen Sie einfach an zu meditieren. Heute. Heute ist’s leichter!

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