Frau in rosa Jacke mit weit geoeffneten Augen haelt sich Mund zu

Kennst du das? 

Du wirst plötzlich so wütend, dass du fast platzt und bist überzeugt, im Recht zu sein. Als hätte eine Bestie von dir Besitz ergriffen. Was machst du dann damit?

Ich stelle dir hier sechs Möglichkeiten vor, mit Wut umzugehen. Auf verschiedenen Ebenen. Mit hoffentlich wenig Wertung. Denn: Alles hat seine Zeit. Beginnen wir mit der Basis: 

Erste Ebene – Wut wild:

Du kommst in eine Situation mit einer anderen Person, die – aus deiner Sicht – Grenzen überschreitet.

Dir oder deinen Liebsten Böses antut oder antun möchte. Und da wir ja immer davon ausgehen, dass du im Recht bist, schlägst du zu, beziehungsweise: zurück. Mit aller Kraft, den gemeinsten Techniken und jeglichen Beleidigungen, die dir so in den Sinn kommen. 

Im Falle einer Notwehr könnte das funktionieren und du könntest damit durchkommen. Ansonsten kann’s peinlich werden. 

Zweite Ebene – Wut, leicht gefiltert: 

Obwohl auch das alles unbewusst abläuft: Du erinnerst dich gerade noch an deine gute Kinderstube oder weißt vielleicht einfach nur, was schon ein ausgestreckter Mittelfinger kosten kann. 

Doch du wirst deutlich, sehr deutlich verletzend. Du könntest zuschlagen und läufst stattdessen rot an. Schuld und Scham nerven dich vielleicht, zumindest im Nachhinein. Zu Unrecht natürlich. Und du musst nur die Beziehungen reparieren, an denen dir wirklich etwas liegt. Und auch dazu kann dich natürlich niemand zwingen. 

Dritte Ebene – Wut unterdrückt:

Bis hin zu dieser Ebene, inklusive, ist der Umgang mit Wut meist einfach unbewusst.

Manche Personen haben tatsächlich die Gefühle von Ärger und Wut derart abgespalten, dass sie gar nicht merken, wenn ihre Grenzen überschritten werden. Sie strahlen völlig unverdient Ruhe aus, die dann eben oft nur Unterwerfung ist. 

Der Körper reagiert dennoch. Trägt die Last. Ungerechte Situationen auszuhalten kann doch nicht gesund sein, oder?

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Diesen Inhalt auf YouTube anschauen? Hier der Link zum Video über den richtigen Umgang mit Wut.

Vierte Ebene – Urschrei: 

Hier beginnt der Umgang mit Wut, bewusst zu werden. 

Zu Wut neigende Personen können ja durchaus erfolgreich sein. Steve Jobs zum Beispiel. Ihm wurde bewusst, dass er ein Thema mit seiner Wut hat. Und er fand die – seiner Meinung nach passende – Therapieform dafür. Urschrei-Therapie, Primärtherapie nach Janov. 

Raus mit der Wut, wie ein wirklich wütendes Baby oder Kleinkind. Nur nicht an der Person rauslassen, die dir in der aktuellen Situation gegenübersteht. 

Also: raus aus der Situation, weg von der Person.Urschrei in den Therapieräumen. Oder in den Wald. Raus damit. Hilft’s? Nun, der Körper trainiert eins: Wut.

Fünfte Ebene – Körperpsychotherapie: 

Im Gegensatz zum Raus-damit-Modell, setzt die Integrative Körperpsychotherapie nach Jack Lee Rosenberg auf ein Container-Modell. Die Energie der Wut wird als Hinweis auf mögliche Missstände gesehen, doch nicht als Grund, unbedingt unmittelbar zu reagieren.

Mit Bewusstsein und Atmung wird die Wutenergie umgewandelt, um dann sinnvoller zu agieren. Ob das nun eine kurze, klare Ansage, gewaltfreie Kommunikation oder die Entscheidung zu einem vorübergehenden Rückzug ist.

Hier eine Atemübung, die du diskret in einer schwierigen Situation einsetzen könntest:

Atemübung aus der Körperpsychotherapie:

Du legst, im Sitzen, Stehen oder Liegen, beide Hände unter deinen Bauchnabel. Dann atmest du tief, möglichst durch die Nase, ein. Bis du die Atembewegung unter deinen Händen spürst. 

Dann gibst du mit deinen Händen etwas Druck, so dass du gegen Widerstand einatmest.  Und dann atmest du, durch den Mund aus. Mindestens so lange, wie du eingeatmet hast. Am besten wär es, wenn du doppelt so lange durch den Mund ausatmest. Und das machst du insgesamt dreimal. 

Tipp zu Übung und Technik

Diese Übung am besten möglichst oft schon vorab üben. Warum? Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie dir in der schwierigen Situation einfällt. 

Die Krux an Techniken, so gut sie sind. Und, so oft du sie vorab geübt hast: Es kann tatsächlich sein, dass sie dir genau dann, wenn du sie am dringendsten brauchen würdest, nämlich: in so einer Wut-Situation.

Sechste Ebene – Weisheit: 

Weisheit ist die diskreteste Wahl im Umgang mit explosiver Wut: Zu wissen, dass du dieses Gefühl selbst produzierst. In deinem eigenen Kopf. Durch deine eigenen Gedanken im Moment. Beeinflusst durch dein autonomes Nervensystem.

Eine medizinische Illustration von Ort und Funktion der Nerven des autonomen Nervensystems. Bezeichnungen in englischer Sprache

Du produzierst dir die Gefühle von Stress, Ärger und Wut, sowie alle anderen Gefühle, selber. Durch dein Denken.Und das zu wissen – und auch zu wissen, dass dein System sich selbst regulieren kann, wenn du es nur lässt. Wenn du ihm nur Zeit gibst.

Und allein das Wissen darum, kann dich von höchster Aufregung in die tiefste Entspannung führen. Innerhalb eines Moments.  

Dein Gefühl von Wut ist dann einfach ein Zeichen dafür, dass du dir wütende Gedanken machst, die in vielen Fällen wenig – oder nichts – mit der Realität zu tun haben. Mit dieser Weisheit lassen sich dann viele Situationen einfach regeln. Inhaltlich regeln.  

Und manche Inhalte erledigen sich ja ganz einfach von selbst. Mache gerne – hier mit einem Klick über eine kurze Email – einen Beratungstermin in meiner Praxis aus.

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Susanne Hake

Master of Fine Arts (USA), bietet Osteopathie, Körperpsychotherapie und Coaching.

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