Wie werde ich fitter?

Laufen draußen macht fitter

Fitter bei maximaler Sauerstoffaufnahme?
Da ist noch Luft nach oben.

Ist fit überhaupt ein Wort, das steigerungsfähig ist? Der Duden sagt: ja. Fit. Fitter. 

Ich hielt mich für fit. Schließlich gehe ich ins Fitness-Studio, mache da Yoga. Schwimme im Sommer mit 20-er Karte. Fahre mit dem Rad in die Praxis. Über eine Stunde täglich. Ich war überzeugt fit zu sein. 

Fitter durch Messen

Bis zu dem Tag, als ein Freund mir einen Fitness-Messer nahelegte.

Tragbare Elektronik, die sich ums Handgelenk legen lässt. Und von da aus die Pulsschläge, zurückgelegte Schritte, angeblich auch Stresslevel und Schlaf misst. Die Alternative: Leistungstest mit Brustband und angefeuchtetem Messgerät unter den Brüsten. Und natürlich: Nix messen und weitermachen wie bisher. Geht doch. Ich nahm die Herausforderung ums Handgelenk an. Nach einigen Synchronisierungs-Schwierigkeiten des Messgeräts mit der App auf dem Mobiltelefon konnte einer meiner sportlichen Tage losgehen. Mittwoch.

Das sportliche Missverständnis

Mit dem Fahrrad 20 Minuten zum Insulaner, dort 1000 Meter schwimmen, dann zurück. Wenn sich das nicht auf der App als Hochleistung abbildet… Ich schaute unter ‚Intensitätsminuten‘ nach. Irgendwas stimmte nicht. Da waren nach wie vor 0. Sowohl in dem Bereich, der aufgrund über 130 bpm doppelt gezählt wird, als auch in dem einfachen Bereich über 110 bpm. Der Freund schaute sich die Darstellung an.

Auf den Körper hören oder auf das Gerät?

„Du kommst mit Deinem ganzen Sport nicht aus der Komfortzone raus. Das wird, je älter Du wirst, jedoch immer wichtiger.“ Wem sagte er das. Ich hatte gelernt, dass Muskelabbau mit 25 Jahren beginnt… Doch, ich war doch sportlich. Ich musste meinen Schweinehund nicht überwinden, um ins Sportstudio zu gehen. Ich fühlte mich danach so viel besser. Ob nach Yoga oder nach dem Schwimmen. Wie vermutlich die meisten, die niedrigen Blutdruck haben. „Hast Du mal joggen probiert?“ ICH HASSE JOGGEN.

Fitter durch Zehntelmarathon light

Maximal zweimal im Jahr ließ ich mich bisher zum Joggen hinreißen. Deshalb brauchte ich auch keine extra Laufschuhe. Dass Marathon für Gelenke und Gewebe belastend sein kann, wusste ich als Osteopathin ohnehin. Schließlich hatte ich schon einige Berlin Marathon-TeilnehmerInnen vorher und nachher behandelt. Und jetzt sollte ich selber joggen, um fitter zu werden? „Okay, 20 Minuten.“ „Unter 30 bringt’s wenig.“

Trainieren und atmen

Die erste Runde begleitete mich der Freund. Mit seiner bewährten Strategie. „Nur noch bis zum Zaun, dann zurück“ „Nur noch 500 Meter“ „Durch den Mund ausatmen“ musste ich mir anhören. Guter Hinweis. Hatte ich doch gerade dadurch das Gefühl, dass meine Lunge sich nach Außen drehte und durch meinen Mund angeraspelte Lungenbläschen freisetzte. Nasenatmung ist viel gesünder. Auch und gerade für das Gehirn, hatte ich gehört. So fit war ich. Im Kopf. Immerhin.

Nach 26 Minuten noch schlauer

Der Freund schaute sich das Intensitätsminuten-Display der App an: „Ab 15 Minuten bist Du im anaeroben Bereich“, sagte er vorwurfsvoll. Als würde ich das absichtlich machen. „Hab ja gesagt, 20 Minuten reicht.“ Immerhin waren das alles doppelt gezählte Intensitätsminuten. „Die nächsten drei Monate in dem Bereich trainieren“, schlug er vor. Ich fühlte mich nach dem Joggen ja auch etwas besser. Nicht so gut wie nach dem Yoga oder Pilates oder Schwimmen. Doch besser als währenddessen. Würde ich meine mentalen Kräfte, die mich ja auch zum Beispiel dazu bringen, Buchhaltung oder Haushalt zu machen, nutzen können?

Wie werde ich fitter ohne Personal Trainer?

Zwei Tage später trainierte ich alleine. Nur mit Messgerät am Handgelenk. Durch den Wald. Der Aromatherapie-Effekt konnte mich motivieren. Und nach dem Asphalt kam dann auch der Natursand. Denn um Berlin – der sibirischen Tiefebene – herum ist Wald ja eher Heide… Und manchmal wird das Laufen dann auch verzögert. Ich drehte dann weit nach der 10 Minuten-Marke um. Nahm denselben Weg zurück. Durch eine amerikanisch wirkende Wohngegend hindurch, führte mein Geist plötzlich ein Eigenleben. Ich weiß gar nicht mehr an was ich dachte. Mein Körper blieb stehen. Glücklicherweise merkte ich das, riss mich sofort zusammen. Die 500 Meter würde ich wohl noch schaffen.

Fitter durch Analyse und konstruktive Kritik

Wenn der Freund auch nicht mitgejoggt war, nahm er sich doch die Zeit, die doppelt gezählten Intensitätsminuten genauer anzuschauen. Er runzelte die Stirn. Der Puls ist gleich am Anfang über 160, dann nimmst Du gleich mal den Saft raus. Und was ist mit dem Bewegungstempo? Da ist oft Null Bewegung.“ Ich zeigte auf den Punkt 500 Meter vor dem Streckenende. „Da bin ich mal kurz stehengeblieben.“ „Und da? Und da? – Da bist Du wohl auch mal kurz stehengeblieben?“ Auweia. Hatte ich gar nicht gemerkt.

Fazit: Bewusstheit durch Messung

Ich bin der tragbaren Elektronik am Handgelenk dankbar. Für den Beginn, die eigene Aktivierung, ist es enorm hilfreich. Nicht ganz so wie ein Personal Trainerin. Oder ein Freund. (Kaum einer oder eine schafft es alleine. Ich jedenfalls nicht.) Aber fast.

Ich werde die nächsten 2 Monate und 3 Wochen weiter trainieren. Bis ich locker eine halbe Stunde schaffe. Oder bis ein Sauerstoffaufnahme-Maximum, das die abgebildete Benchmark darstellt, erreicht ist.

Maximale Sauerstoffaufnahme Messung

Benchmark für Sauerstoffaufnahme.
Noch Trainingsbedarf.

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